Gedanken zur Stille – Eine Meditation
Sobald wir still werden, begegnen wir uns selbst, wie wir wirklich sind, wo wir im Moment stehen. Daher sind wir nie still, weil wir uns selbst fürchten und meiden. Wenn wir die Angst davor überwinden, begegnen wir zuerst unserer Oberfläche, dem Stress, den unaufhörlichen Gedanken, der Leere und Langeweile unseres Lebens, der Angst und Verwirrung nicht zu wissen, wer wir sind. Wenn wir dem nicht ausweichen, löst sich das auf, allmählich, und es tauchen tiefere Schichten auf, schwierigere Gefühle, die immer feiner und differenzierter werden, wenn wir ihnen nicht aus dem Weg gehen, bis wir schliesslich zur Leere und damit zur Stille, zur Grundsubstanz oder ganz einfach zur Liebe vordringen. Das ganze Lernen über den Widerstand und über das damit verbundene Leiden wird unnötig. Wir beginnen gleich mit dem Ziel: Mit der Freiheit und der totalen Aufmerksamkeit, die Liebe ist, die Energie ist, die Stille ist. Allmählich werden wir vordringen zu den ganz subtilen Bereichen in uns. Alles löst sich auf, das Ego löst sich auf, da bleibt keiner mehr, der beobachtet, nur noch Beobachtung, keiner mehr, der fühlt sondern nur Gefühl, keiner mehr, der verletzt werden kann sondern nur noch Leere. Eine neue Leere, nicht die hohle der Oberfläche. Da bleibt zuerst nichts, und wenn wir dort nicht ausweichen, finden wir schliesslich die Fülle in der Leere: Die Energie, die immer in Bewegung ist, nicht die Bewegung der Oberfläche, die ausweicht, sondern die Bewegung der Tiefe, die immer noch tiefer grabt.
Energie zu fühlen, ist auch Freude zu fühlen, Liebe, totale Aufmerksamkeit, Zuwendung, Grenzenlosigkeit, Verbundensein, Tod. Und hier beginnt eine neue Reise, eine endlose, ewige Ausdehnung ohne Grenze. Transformation dessen, was ausser mir ist. Stille ist ein Tor zu einer andern Dimension.
Nehmt nun in euch den Bereich wahr, in dem es ganz still ist, versucht die Stille in euch zu finden. Ihr müsst nicht zuerst still werden oder irgendeine Voraussetzung erfüllen. Da sind die unruhigen Gedanken, die Unruhe des Alltags, da ist der Körper mit seinen Sensationen und da sind die Emotionen. Kümmert euch nicht darum, lasst das einfach stehen, entzieht dem eure Energie und richtet eure Aufmerksamkeit auf die Stille in euch. Sie ist immer da, ihr müsst sie nur wahrnehmen. Ihr müsst nicht wissen, wie man das tut, ihr müsst nicht wissen, wo ihr sie findet. Ihr müsst sie nur wollen, dann ist sie da. Wir sind reine, leere Wahrnehmung. Jede andere Definition über uns ist falsch und entspringt unserem trennenden, dualistischen und urteilenden Denken. Reine Wahrnehmung ist Energiefluss, ist Liebe, ist Licht. All das ist identisch. Gebt euch die Anweisung, still zu sein, die Stille in euch zu finden und fühlt dann einfach, bleibt in einer erwartungsvollen Haltung. Schaut, was passiert. Ihr werdet dann direkt mit dem, was ihr wirklich seid, in Kontakt kommen und könnt euch das ganze Leiden sparen, ohne ihm auszuweichen. Ihr geht einfach der Stille, der Liebe, der Freude nach. Da gibt es nicht euch und die andern. Da gibt es nur Einheit, Ganzheit, Grenzenlosigkeit. Geht nun ganz zur Stille, zur Liebe in euch. Und behauptet nicht, es sei euch etwas im Weg. Das ist nicht wahr.